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Piešťany als Inspiration für Buchautorin Andrea Coddington

11.04.12 15:45

Sie wurde in Radošina als Andrea Kozinková geboren. Diese Ortschaft liegt in der Nähe von Piešťany. Eigentlich gilt es nur den Berg Havran zu überwinden und schon ist man da. In Radošina wächst die Rebe Grauburgunder, auch Ruländer genannt. Der aus dieser Sorte gekelterte Wein, von feinem würzigem Geschmack, bahnte sich seinen Weg auch zum Hof der englischen Königin. Und dieser Ort ist auch die Geburtsstätte des beliebten Theaterensembles „Radošinské naivné divadlo“ (Das naive Theater von Radošina).

Als Journalistin und Rundfunkreporterin verschlug es Andrea nach New York. Dort konnte sie ein Interview mit Hillary Clinton und anderen Persönlichkeiten führen. Das Leben jedoch hat auch für sie selbst eine bewegende Geschichte geschrieben. New York brachte ihr neue Erlebnisse und Erfahrungen und als sie schon ihre Rückkehr in die Heimat bereitete, begegnete sie ihrer großen Liebe, heiratete und bekam zwei wunderbare Kinder... Und dann geriet ihr Leben von einem Tag auf den anderen plötzlich aus der Bahn. Ein tragisches Ereignis nahm ihr den Ehemann. „Damit ich weiterleben konnte, war es vermutlich notwendig, dass ich es noch einmal erlebe“, sagt sie. Ihr Roman „Es sollte ein schönes Leben werden“ erschien im Jahre 2009. Ein Jahr später hat sie einem renommierten Verlag bereits einen neuen Roman, mit dem Titel „Jüdin“, angeboten. Auch dieser basiert auf einer wahren Geschichte. Ihr neuestes Buch, dessen Titel „Fremdes Blut“ lautet, stellte sie im Januar im Kursalon in Piešťany vor.

„Silvia Fishbaum, die Hauptprotagonistin des Romans „Jüdin“, lernte ich auf den Tennisplätzen in Piešťany kennen. Wir stellten fest, dass wir beide in New York leben, tauschten die Adressen und das war der Beginn einer fesselnden Geschichte eines Mädchens, das nach dem Krieg in einer jüdischen Familie in der sozialistischen Tschechoslowakei aufwuchs. Ich lebe die Schmerzen und das Glück anderer, sie wurden zu den meinen und es bringt mir Erfüllung, wenn ich mich mit ihnen am Ergebnis aufrichtig erfreuen kann.“ „Fremdes Blut“ ist die Geschichte von drei Mädchen. Eines von ihnen, Karla, die bei Adoptiveltern lebt, wurde aus einer Beziehung ihrer aus Piešťany stammenden Mutter mit einem Araber geboren. Auch diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.

Andrea lebt heute zusammen mit ihren Kindern in der Slowakei. „Ich habe mich entschieden, zurück zu kehren, da ich meine Nächsten sehr vermisst habe. Obwohl ich in New York Freunde und Bekannte hatte und alle sehr nett waren, fühlt man sich doch schrecklich einsam, wenn man dort keine engen Verwandten hat. Und wenn sie eines Tages fortgehen, geht das Leben weiter, keiner vermisst sie. Ich tat es für mich, denn ich weiß, wenn ich zu Hause bin, kann ich auch Kummer haben und meine Mama bringt mir Tee... Hier ist alles so vertraut, hier bin ich zu Hause und wenn ich vor der Dämmerung laufen gehe, dann immer mit Zwischenstopps an den Häusern, um zumindest ein Wörtchen zu wechseln. Genau gegenüber, nur eine Straße weiter, steht das Haus der Familie Štepka. (Stanislav Štepka ist Leiter des Theaterensembles „Radošinské naivné divadlo - Anm. d. Red.) Im Sommer kommen sie regelmäßig mit ihren Enkelkindern hierher. Es freut mich, dass sie meine Bücher lesen und ich kann, wenn ich es zu einer Vorstellung des „Radošinské naivné divadlo“ in Piešťany nicht geschafft habe, die heimische Theaterbühne des Ensembles in Bratislava besuchen.

Und doch bietet sich die Frage, was von New York sie zurück in ihrer Heimat vermisst. „Ich vermisse die Stadt voller Menschen, mir fehlt der Stadtteil, den ich am meisten liebte - die Upper West Side, die wunderschönen Tennis-Sandplätze im Riverside Park mit Blick auf New Jersey und den Fluss, und der Frühlingsduft in den Parks.“